|
von Irmelin Sansen (Text und Fotos)
Seite 1
Von St.Jean de Buéges nach Castres (ca. 200 Kilometer)
1. Tag

St. Jean de Buèges am Abend vor dem Aufbruch zur 'via tolosana' ...

... Abschied am Morgen - die Pilgerschaft beginnt. Der Weg verschwindet bald im Wald und führt angenehm bergauf und bergab bis zu einem großen Rastplatz,

der viele Besucher angelockt hat: zu bewundern gibt es eine kleine in den Fels geduckte Eremitage/Einsiedelei. Erste neugierige Fragen nach der Muschel am Rucksack - oui, Madame, je suis pèlerine sur le chemin de Saint Jacques.

Und dann geht es fast nur noch bergab, der Wald lichtet sich, hohe Felsen türmen sich auf -

bizarre Gebilde - wie von Festungen gekrönt.

Und dann, plötzlich öffnet sich das Tal und da liegt es, das Ziel des ersten Tages: St. Guilhem le Désert.
2. Tag
Früher Aufbruch aus St. Guilhem le Désert hinauf zum Plateau l'Infernet, die Wegmarkierung läßt mich in doppelter Hinsicht ans 'Ende der Welt' denken: jeder Schritt voran auf dem Jakobsweg ist virtuell verbunden mit dem Ziel der Pilgerreise - Santiago de Compostela.

Die Muschel ist das untrügliche Zeichen dafür, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Steil windet sich der Weg nach oben, auf der Höhe weht es so stark, dass ich mit Mühe den Paß überquere und erleichtert die Berge hinter mir lasse.

Dann ist auch der Wald durchquert und der Blick wird wieder freier. Erschöpft erreiche ich am Abend die Pilgerherberge in Saint Jean de la Blaquière.
3. Tag
Am Morgen bieten meine treuen Wanderschuhe einen tragischen Anblick: ich hoffe, dass sie den Weg bis zur nächsten Etappe durchhalten.
In Uscla-du Bosc besuche ich den Friedhof wegen der alten Grabsteine.

Sie sind an allen Pilgerwegen zu finden, und trotzdem ist ihr Ursprung ungeklärt.

Diese steinernen Zeugen der mittelalterlichen Jakobusverehrung berühren mich zutiefst,

und so kehre ich in eine kleine Kirche am Weg ein und entdecke in einem der Fenster einen Jakobspilger mit den typischen Insignien

Muschel, Stab und als Trinkgefäß eine Kalebasse.

Gegen Mittag erreiche ich Lodève, die Wanderschuhe sind am Ende: ein Abschiedsfoto - dann heißt es 'adieu, ihr treuen Weggefährten'.

Fortsetzung Seite 2
|