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Läufer auf der Seidenstraße
Der Kirchhellener Josef Kaufmann lief 32 Etappen
zwischen Peking und Teheran.


von Rüdiger Schneider

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Josef Kaufmann

Die Bilder, die er mir zur Verfügung stellt, mögen eine Ahnung aufkommen lassen, was ihn am Lauf durch extreme Landschaften fasziniert: Es ist die Weite des Horizonts, die atemberaubende Schönheit unberührter Natur, das Spiel von Licht und Farben, das man in dieser Intensität kaum noch kennt. Und es ist auch die Begegnung mit fremden Kulturen, die ursprünglicher noch sind, und nicht zuletzt mag es auch die Herausforderung sein, die eigene Kraft zu testen, sich selbst an die Grenzen zu führen. Durch die Wüste läuft er bei 56 Grad, die Brust schmerzt bei jedem Atemzug. Bei einem Schneesturm im Gebirge spürt er seine Hände nicht mehr.

 
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Die Route der Seidenstraße (Quelle: Wikipedia)

Die hier gezeigten Bilder sind noch nicht die aktuellen. Sie stammen von früheren Marathonläufen des Kirchhellener Josef Kaufmann durch die Transmongolei und die chilenische Atacama-Wüste. Es sind aber Aufnahmen, die in etwa Landschaft und Atmosphäre seines jüngsten Erlebnisses wiedergeben können.

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Transmongolei 2004

Im Juli und August 2007 lief er 32 Etappen auf der legendären Seidenstraße, jenem Netz von Karawanenwegen, das den Mittelmeerraum mit Ostasien verbindet. Er durchquert China, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, den Iran. Die gelaufene Strecke beträgt über 800 Kilometer, die Distanzen zwischen den einzelnen Etappen von Peking nach Teheran werden in russischen Minibussen zurückgelegt, die keine Federung haben und die Teilnehmer des Marathons auf unwegsamem Gelände durchrütteln. Nur in der schier endlosen Weite Chinas wird das Flugzeug genommen. Geschlafen wird meist in Zelten oder in einfachen Unterkünften. Komfort ist Nebensache, beziehungsweise eher störend. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt oder in den Kessel über dem Lagerfeuer.

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Transmongolei 2004

Von den insgesamt 21 an der chinesischen Mauer gestarteten Läufern und Läuferinnen kommen nur elf durch. Auch Josef Kaufmann war einmal kurz vor der Aufgabe. Aber er übersteht die Strapazen und kommt mit respektablen 98:56:38 ins Ziel der 32. Etappe, in die Karawanserei Chaleh Khargoshi im Iran. Ein paar Tage später geht es dann von Teheran aus zurück nach Paris, von wo aus die Gruppe zu ihrem Flug nach Peking gestartet war.

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Transmongolei 2004

Sieben Visa waren für die Reise notwendig. Dreißig Stunden verbrachte er an Grenzübergängen. Die Organisation der Tour, die man alleine kaum bewerkstelligen kann, hatte der französische Veranstalter ‘Nature Extreme Developpement’ übernommen. Da durch die asiatische Steppe gelaufen wurde und unter anderem auch durch die gefährlichste Wüste der Welt, die berüchtigte Taklamatan, waren ärztliche Betreuung und ein Sicherheitsfahrzeug dabei.

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Transmongolei 2004

Josef Kaufmann ist siebzig Jahre alt oder auch jung, wie man in diesem Fall formulieren darf. Was er leistet, ist extrem. Als ich ihn an einem Sonntag besuche, hat er ‘zum Frühstück’ mal eben zwanzig Kilometer zurückgelegt. In Kirchhellen und in der Umgebung zu laufen, mag zwar schön sein, aber es ist nicht das Lauferlebnis, das er eigentlich sucht. Mit fünfzig ist er sozusagen ‘auf den Dreh’ gekommen, hat für sich Trekkingtouren durch den Himalaya entdeckt. Mittlerweile lassen sich die Länder kaum noch aufzählen, die er besucht hat. Einer der Höhepunkte war 2005 gewiß der Lauf durch die chilenische Atacama-Wüste. Ich frage ihn auch bescheiden nach dem Jakobsweg, ob er den kennt. Da winkt er ab. “Katzensprung” sagt er und meint damit Hape Kerkelings gut vermarktete Reise. Bequeme Wanderungen liegen ihm nicht. Er braucht das Extrem, die Grenze.

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Transmongolei 2004

Sein liebstes Reisegepäck ist die Mundharmonika. “Die kennt schon die ganze Welt”, sagt seine Frau Helga. Sie bringt ihrem Mann sehr viel Verständnis entgegen und sorgt auch für den familiären Rückhalt, ohne den solche Abenteuer kaum durchzuführen wären. In Gedanken ist sie auf den Reisen mit dabei. Neben dem Marathon durch Extremlandschaften gibt es auch noch andere Leistungen Josef Kaufmanns. Zwei Häuser hat er ganz alleine ohne fremde Hilfe gebaut. Er macht nicht viel Aufhebens davon. Für ihn ist so etwas normal. Von seinen Abenteuertouren kehrt er in einen wohlbehüteten familiären Hafen zurück. Die Familie ist groß. Vier Kinder und acht Enkelkinder zählt sie mittlerweile.

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Transmongolei 2004

Vom Typ her erinnert mich Josef Kaufmann an Rüdiger Nehberg oder an den legendären Heinz Helfgen, der in den fünfziger Jahren mit 3.80 DM in der Tasche von Düsseldorf aus per Fahrrad um die Welt fuhr und selbst vor den burmesischen Tigerpässen nicht zurückschreckte.

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Transmongolei 2004

Siebzig Jahre ist er alt. Da suchen sich andere schon ein Plätzchen im Seniorenheim, um bei Kaffee und Kuchen still zu sinnieren. Nicht so Josef Kaufmann. Im November fliegt er nach Mali, um dort durch die afrikanische Wüste zu laufen.     weitere Fotos >>>

BOT.spot, 7. Oktober 2007